Artenschutz und Artenvielfalt der Meere

Chinesen wollen vor Namibia Meerestiere für Aquarien fangen

Südafrikanische Seebaeren an der Skelettkueste_Nationalpark Namibia. Foto: Peter Jupke

Meeresschutzorganisationen warnen vor einem Ausverkauf der marinen Artenvielfalt Namibias

Die chinesische Firma "Welwitschia Aquatic and Wildlife Scientific Research" will vor der Küste Namibias über mehrere Jahre hinweg Delfine, Robben und andere Meerestiere fangen und für asiatische Aquarien und Delfinarien exportieren.

Auf der chinesischen Einkaufsliste stehen unter anderem Orcas, Südafrikanische Seebären, Brillenpinguine, Große Tümmler und Haie. An der namibischen Küste leben mehrere Meeressäugerarten, darunter auch eine geschützte, nur noch etwa 100 Exemplare umfassende Population Großer Tümmler. Ihr Überleben ist durch die geplanten Fangaktionen hochgradig in Frage gestellt.

Nach Informationen der Earth Organisation Namibia umfasst der chinesische Antrag den jährlichen Fang von:

  • 10 Orcas
  • 500 - 1000 Südafrikanische Seebären
  • 300 - 500 Brillenpinguine
  • 50 - 100 Indopazifische Große Tümmler (eine Art, die es vor der Küste Namibias gar nicht gibt)
  • 50 - 100 Atlantische Große Tümmler
  • verschiedene Haiarten
  • weitere, nicht näher definierte Meerestierarten

Online-Petition "Stop the Live Capture of our Marine Species"
Das Fischerei-Management-Komitee des namibischen Ministeriums für Fischerei und Meeresressourcen (MFMR) prüft zurzeit den Antrag der Chinesen, um dann eine Empfehlung an Fischereiminister Bernhard Esau zu geben. Angeblich sollen zunächst 30 Millionen namibische Dollar (umgerechnet knapp 2 Millionen Euro) investiert werden, mit denen u. a. Ausrüstung und Boote für die auf mehrere Jahre ausgelegten Fangaktionen finanziert werden sollen.

Alle in dem Antrag genannten Arten sind auf Anhang I bzw. II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES gelistet. Da Namibia und China Mitglieder von CITES sind, bedingt eine Ausfuhrgenehmigung eine wissenschaftliche Nachhaltigkeitsprüfung, die bestätigt, dass die Populationen durch die Entnahme nicht gefährdet würden. Es gibt keine Informationen darüber, dass derartige Dokumente existieren.

Die DSM unterstützt die Online-Petition der Earth Organisation Namibia auf avaaz.org:

Hon. Minister of Fisheries and Marine Resources Bernhard Esau: Stop the Live Capture of our Marine Species

Weitere Informationen

Proteste verhindern Ausverkauf der marinen Artenvielfalt Namibias: Erfolg für den Meeresschutz im südlichen Afrika

Allgemeine Zeitung Namibia - 10.10.2016: Protest schlägt jetzt Wellen - Umstrittenene Fangpläne erregen international Aufmerksamkeit

Allgemeine Zeitung Namibia - 07.10.2016: Proteste gegen Fanggenehmigung - Chinesisches Unternehmen brüstet sich, geschützte Arten weltweit zu fangen