Artenschutz und Artenvielfalt der Meere

Bedrohte Riesen: Walhaie – Die größten Fische der Weltmeere

Walhai mit halb geöffnetem Maul, Seychellen. Foto: Olivier Roux/Marine Photobank

Wenn sein Name fällt, bekommen nicht nur Taucher große Augen

Doch Begegnungen mit dem größten Fisch der Erde, dem Walhai (Rhincodon typus), sind selten geworden: Sein Fleisch ist vor allem in Asien eine beliebte Delikatesse.

Die große Nachfrage nach Walhai-Fleisch, besonders in Taiwan und Hongkong, und die Aussicht auf über 3.000 € pro erlegtem Walhai verlocken Fischer immer wieder dazu, die Meeresgiganten zu jagen. So sind sie vielerorts bereits ausgestorben oder akut davon bedroht und finden sich heute als gefährdete Art auf der Roten Liste der IUCN wieder.

Rätselhafter Gigant
Die Dimensionen des friedlichen Planktonfressers erklären seinen Namen: Mit bis zu 14 Meter Länge, einer vier Meter hohen elegant geschwungenen Schwanzflosse, zwei Meter messenden Brustflossen, einem riesigen etwa 1,50 Meter breiten Maul, ihrer bis zu 10 cm dicken Haut und einem Gewicht von bis zu 15 Tonnen lassen die Knorpelfische so manche Walart klein aussehen.

Doch der Gigant ist in vielem noch rätselhaft, obwohl er in allen tropischen Meeren, besonders zwischen dem Äquator und dem 30./40. Breitengrad vorkommt. Zu bestimmten Jahreszeiten treffen sich die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 5 km/h gemächlich dahin gleitenden Einzelgänger, die im Gegensatz zu anderen Haiarten beim Schwimmen ihren ganzen Körper, und nicht nur die Schwanzflosse, mit Seitwärtsbewegungen einsetzen, in für sie offenbar sehr reizvollen Meeresgebieten. Dazu gehören die Gewässer vor der philippinischen Insel Pamilacan, der Golf von Kalifornien, die Küsten Mosambiks und Belizes und das Ningaloo Reef in Nordwestaustralien.

Walhai unter Wasser bei Belize.Nach Meinung von Wissenschaftlern geschieht dies entweder zur Paarung oder wegen eines saisonbedingten reichhaltigen Nahrungsangebotes. Letzteres könnte immerhin die jährlichen Walhai-Versammlungen am Ningaloo-Riff erklären. Dort stoßen zwischen April und Mai die Korallen Milliarden Eier und Spermien ins Wasser ab. Offensichtlich eine Delikatesse für Walhaie, die die eiweißreiche Kraftnahrung aus dem warmen Wasser Tag und Nacht mit ihrem bis zu 6.000 Liter Wasser pro Stunde fassenden Maul einsaugen und dann über sogenannte Kiemenreusen - Tausende von etwa 10 cm langen bartenähnlichen Plättchen - aus ihren jeweils 5 seitlichen Kiemenöffnungen ausseihen.

Harmlose Filtrierer mit funktionslosen Zähnen
Wie alle anderen Haie besitzen auch Walhaie Zähne, etwa 3000, deren Nutzen und Funktion allerdings unklar ist. Die sanftmütigen Riesen gehören zu den 3 Filtrierern unter den Haien, die beiden anderen sind der Riesenhai und der Riesenmaulhai.

Doch im Gegensatz zu den Riesenhaien sind Walhaie aktive Filtrierer. Sie erzeugen aktiv einen Sog und filtrieren die Nahrung, meist Plankton, aber auch Kleinkrebse, kleinere und größere Fische wie Sardinen, Makrelen und sogar kleine Tunfische, anschließend wieder aus. Dabei schwimmen sie direkt an der Oberfläche, mitunter sogar in vertikaler Position.

Der Eindruck, hier seien dumpfe Fressmaschinen am Werk, täuscht gewaltig. Es wird vermutet, dass ihr Gehirn mit Hilfe spezieller Rezeptorzellen zahlreiche Signale der Umwelt gleichzeitig verarbeitet: mechanische, chemische, visuelle und elektrische Reize.

Rätselhafte innere Uhr und faszinierende Navigationskünste
Niemand weiß bis heute, auf welchen Wegen Walhaie zu ihren jährlichen Treffpunkten gelangen, noch wie die innere Uhr funktioniert, die es ihnen ermöglicht, zur gleichen Zeit am gleichen Ort einzutreffen, noch wo genau sie sich die übrige Zeit des Jahres aufhalten. Ebenso ist unklar, ob sich bei den regionalen Treffen tatsächlich Tiere der gleichen Art einfinden oder ob es sich hier um voneinander getrennte Populationen handelt. Ganz abgesehen davon, dass gleichfalls niemand weiß, wie viele dieser Giganten es überhaupt noch gibt.

Gleichfalls wenig weiß man über ihre Entwicklung bis zur Geschlechtsreife oder ihr Paarungsverhalten. Ihre Lebenserwartung liegt wahrscheinlich bei über 70 Jahren.

Allzu leichte Beute für gierige Fischer
Toter Walhai mit abgeschnittenen Flossen am Strand.Ausgerechnet ihre Geheimnis umwitterten Treffen werden den Meeresbummlern zum Verhängnis. Da sie den Menschen als Feind nicht fürchten, sich Tauchern gegenüber sogar völlig friedlich verhalten und anfassen lassen, sind sie leichte Beute für Fischer, die es auf ihre kostbaren Flossen und ihr heiß begehrtes weißliches Fleisch abgesehen haben. Da hilft den großen Fischen auch nicht ihre gute Tarnung, mit ihrer weiß-gelb gefleckten und gestreiften Haut verschmelzen sie unter der Wasseroberfläche schwimmend optisch mit ihrer Umgebung.

So töteten die Fischer dreier Dörfer in Indien allein in einem Jahr etwa 1000 Walhaie, bis die Regierung im August 2001 die seltenen Tiere endlich unter strengsten Artenschutz stellte. Fang und Tötung der sanften Riesen ist seitdem verboten und wird bestraft. Damit folgt Indien Ländern wie den USA, Australien und den Philippinen, die Handel mit Walhai-Produkten verboten hatten.

Bei der Walhai-Jagd wird den Tieren vom Fangboot aus ein schwerer Eisenhaken in den Leib geschlagen mit dessen Hilfe man sie anschließend an Land ziehen kann, wo sie bei lebendigem Leib zerlegt werden und dabei qualvoll, oft über drei Tage lang, verenden. Heiß begehrt sind auch die riesigen Walhai-Flossen, die den Tieren bei lebendigem Leib abgeschnitten werden, der Rest des langsam sterbenden Riesenfisches bleibt bei dieser Art der Raubfischerei im Wasser treibend zurück.

Whale Shark Watching mit großem touristischem Potenzial
Mittlerweile hat sich das große wirtschaftliche Potenzial der friedlichen Walhai-Nutzung herumgesprochen. Beim staatlich geschützten Ningaloo-Riff sind die Haie eine Touristenattraktion. Rund zehn Millionen Dollar bringen die Tauchtouren den Einheimischen jährlich ein.

Gier nach Walhaifleisch scheint unstillbar
Walhai und Schnorchler, Mexico.Die Gier nach Walhaifleisch in Taiwan oder Hongkong scheint unstillbar. Walhaie werden weiterhin in viel zu großer Zahl gejagt. Zusätzlich verschärft wird die Situation durch Schlepp- und Stellnetze, in denen auch Walhaie als unbeabsichtiger Beifang verenden. Diese Verluste lassen sich kaum ausgleichen, denn wie die meisten Haiarten vermehren sich Walhaie extrem langsam. Erst mit 30 Jahren werden sie geschlechtsreif, die Jungtiere schlüpfen bereits im Mutterleib aus den Eiern, sodass die Weibchen ihren über 60 cm langen Nachwuchs scheinbar lebend gebären.

Der Walhai steht seit 2002, wie auch sein kleinerer Verwandter, der Riesenhai, auf Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA / CITES). Seither wird der internationale Handel mit ihnen erfasst und reglementiert, ist aber nicht verboten. Es ist leider recht fraglich, ob der größte Fisch der Erde eine reelle Überlebenschance hat.
Ulrike Kirsch & Ulrich Karlowski
Fotos:
Unterwasseraufnahme Walhai, Belize: (c) Wolcott Henry 2005/Marine Photobank
Philippinen: Einheimische fanden diesen Walhai ohne Flossen treibend im Wasser und brachten ihn an Land: Peri Paleracio/Marine Photobank
Schnorchler beobachtet einen Walhai vor der Küste von Mexiko: © Andre Seale/Marine Photobank

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