Artenschutz und Artenvielfalt der Meere

Folgen des Walfangs: Orcas jagen kleinere Meeressäuger

Zwei Orcas einer hebt Kopf aus dem Wasser. Foto: Jessica Horne.jpg

Der ehemals exzessive Walfang im Nordpazifik beeinträchtigt bis heute zahlreiche Tierarten

Da die großen Walarten in der Vergangenheit enorm dezimiert wurden, sind deren Jäger, die auch Schwertwale genannten Orcas (Orcinus orca) gezwungen, auf kleinere Meeressäuger wie Seehunde, Pelzrobben, Seelöwen und Seeotter als Jagdbeute auszuweichen. Somit werden auch diese Arten indirekt Opfer des kommerziellen Walfangs.

Orcas passen ihre Jagdstrategien flexibel an
Zunächst wichen die Schwertwale, mit fast 10 m Länge und bis zu 9 Tonnen Gewicht die größte Delfinart, auf Seehunde aus, deren Zahl daraufhin bereits in den frühen 1970er-Jahren stark zurückging. Anschließend traf es nach und nach Pelzrobben, Seelöwen und schließlich Seeotter, deren Populationen sich bis heute nicht erholt haben, obwohl es ihnen nicht an Nahrung mangelt. Seehunde und Pelzrobben wurden Opfer der durch ihre riesige, bis zu 1,8 m hohen, Finne leicht zu erkennenden, geschickten Jäger, da sie leicht zu erbeuten sind und den höchsten Nährwert für sie haben, vermuten Biologen. Als diese Beute dann seltener wurde, veränderten sie ihre Jagdstrategie und begannen auch energetisch weniger ergiebige Tiere wie Seeotter zu erbeuten.

Eine der längsten und komplexesten ökologischen Kettenreaktionen, die jemals beschrieben wurden
Seehund liegt auf Sandbank.Der kommerzielle Walfang hat das gesamte ökologische Gleichgewicht der Meere nachhaltig gestört. Denn, begünstigt durch den vom immensen Jagdruck der Orcas verursachten Rückgang der Seeotter, konnte sich wiederum deren Beute, Seeigel, so stark vermehren, dass diese als Folge begannen, die Seetangwälder vor Westalaska übermäßig abzugrasen.

Mit dieser Hypothese schildern Alan Springer und seine Kollegen von der University of Alaska in Fairbanks eine der längsten und komplexesten ökologischen Kettenreaktionen, die jemals beschrieben wurden.

Geringfüge Verhaltensänderungen mit gravierenden Auswirkungen auf das Ökosystem
Das Beispiel verdeutlicht eindrücklich, dass maßlose Ausbeutung oder massive, einseitige Eingriffe in ein Ökosystem einen Dominoeffekt nach sich ziehen, der einen vernichtenden Einfluss auf das gesamte Ökosystem hat. Früher ging man davon aus, dass der Rückgang kleinerer Meeressäugerarten auf Effekte am unteren Ende des Nahrungsnetzes zurückzuführen sei – beispielsweise auf Nahrungsknappheit.

Die Theorie von Springer sucht dagegen nach Ursachen im oberen Bereich der Nahrungsnetze. So berechneten die Forscher, dass allein die etwa 4.000 Schwertwale im Gebiet der Aleuten ihr Fressverhalten nur um ein Prozent ändern mussten, um den Bestand anderer Meeressäuger negativ zu verändern.
Ulrich Karlowski
Fotos:
Zwei Schwertwale: Jessica Horne/Marine Photobank
Springender Orca: (c) Emma Foster 2010/Marine Photobank
Seehund: U. Karlowski

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