Energiegewinnung und Klimawandel

Schwere Rückschläge für Offshore-Öl- und Gasförderung in Kroatien

Karte der Adria mit Bohrtürmen.

Gleich mehrere Energiekonzerne sind aus der geplanten Öl- und Gasförderung in der kroatischen Adria ausgestiegen

OMV aus Österreich und Marathon Oil aus den USA Ende gaben Juli 2015 ihre Bohrlizenzen zurück, kurze Zeit später zog sich auch ExxonMobil zurück. Das Unternehmen hatte eine Kooperation mit dem kroatischen Energiekonzern INA anvisiert. Einen weiteren Rückschlag erlitt INA dann Anfang August, als bekannt wurde, dass sich auch der ungarische MOL-Konzern, Anteilseigner an der INA, von den geplanten Offshore-Ölbohrungen zurückziehen will. Damit blieben vorerst noch die italienische ENA und die britische Medoil übrig.

Absurde Begründung soll wahre Hintergründe verschleiern
Der Rückzug der Energiekonzerne wird in Zagreb mit Grenzstreitigkeiten mit Slowenien und Montenegro begründet. Dies ist kaum glaubhaft. Vielmehr dürften die anhaltenden Proteste im In- und Ausland sowie insbesondere der auf absehbare Zeit niedrige Ölpreis ausschlaggebend gewesen sein.

Intransparentes und dilettantisch durchgeführtes Vergabeverfahren
Kritiker hatten von Anfang an das völlig intransparente Vergabeverfahren bemängelt und unrechtmäßige Bereicherung vermutet. Im Korruptionsindex 2014 von Transparency International ist Kroatien im Vergleich zum Vorjahr um vier Plätze auf den 61. Rang gefallen und liegt damit um einiges näher an Bosnien-Herzegowina (Rang 80) als z.B. an Slowenien (Rang 39).

Im März 2015 musste der Beginn der ersten Probebohrungen auf 2016 verschoben werden, weil Kroatien es versäumt hatte, Anrainerstaaten wie Slowenien, Italien und Montenegro in die Umweltverträglichkeitsprüfungen einzubeziehen, ein Verstoß gegen die EU-Umweltrichtlinie "Espoo-Konvention zur grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung".

Rettet die Adria!
Die DSM unterstützt die Kampagne "Rettet die Adria! Keine Ölplattformen in der Adria", der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), die sich seit Ende 2014 mit kroatischen Initiativen dafür ein, dass die Adria von der Öl- und Gasförderung ausgenommen und den katastrophalen Folgen einer Ölpest geschützt wird. Hierzu wurde unter anderem auf change.org die Petition "Hands off! Die Adria darf nicht sterben!" gestartet.

Zum Hintergrund:
Bereits in wenigen Jahren könnten Hunderte Öl- und Gasbohrinseln die Küsten Kroatiens verschandeln. Ohne großes Aufsehen hatte die kroatische Regierung mit der Such nach Öl- und Gas Ende 2013 begonnen und versucht seitdem, die Pläne möglichst an der Bevölkerung vorbei voranzutreiben.

Noch vor Abschluss der öffentlichen Anhörung im Februar 2015 wurden im Januar 10 Probebohrlizenzen an 5 Energiekonzerne, darunter die österreichische OMV, vergeben. Knapp 37.000 km², also ca. 90 % der kroatischen Adria, stellte man als Fläche für die Offshore-Bohrungen bereit. Der Mindestabstand der Bohrinseln zur Küste wurde auf 10 km bzw. auf 6 km von der Außenlinie der Inseln festgelegt.

Jedes Jahr Hunderte Störfälle
Es sind nicht nur Katastrophen wie die massive Ölpest im Golf von Mexiko, bei der Tausende von Tieren qualvoll starben und noch heute an den Folgen leiden, ganze Landstriche verseucht und Lebensgrundlagen von Kleinfischern zerstört wurden. Öl- und Gasförderung im Meer ist hoch riskant und stellt tagtäglich eine große Gefahr dar, zumal in einem relativ geschlossenen System wie dem der Adria. Bei der täglichen Routine gelangen Öl und giftige Chemikalien ins Wasser, jedes Jahr kommt es zu Hunderten von "kleineren" Störfällen.

Eine Katastrophe wie 2010 im Golf von Mexiko, der 12-mal größer ist als die relativ kleine, umschlossene Adria, wäre der Untergang für dieses Ökosystem, das Leben der Menschen, die vom Meer leben, würde zerstört.

Experten warnen denn auch eindringlich vor langfristigen Schäden für Tourismus und Fischerei. Die kroatische Adria ist eines der populärsten Urlaubsziele der Welt. Der Tourismus zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen und trägt in großem Maße zum Bruttoinlandsprodukt bei.
Ulrich Karlowski, August 2015

"Unser Durst nach Öl und die Gier nach dem Geld, das damit verdient werden kann, haben die Prospektoren und die Bohrtürme in die entlegensten Ecken der Erde getrieben. In heiße Wüsten, ins Eis der Arktis und raus aufs Meer und wenn da was schief geht, ist Natur in Gefahr. Dann ist es auch ziemlich egal, ob die Menschen die betroffene Gegend, die Strände oder die See dort anziehend finden oder nicht. Die Schäden an der Umwelt richten sich danach nicht."
Klaus Kleber, Sendung "Heute Journal" v. 30.11.2014, Anmoderation eines Beitrags über Proteste gegen Ölbohrungen vor den Kanarischen Inseln.