Energiegewinnung und Klimawandel

Offshore-Windkraft mit explosiven Folgen

Scroby Sands Offshore Windfarm, located off the coast of Norfolk, UK. Photo: Eleanor Partridge/Marine Photobank

Zunahme von Vernichtungssprengungen durch Ausbau der Offshore-Windkraft

Umwelt- und Meeresschützer warnen vor massiven Umweltschäden durch die Sprengung von versenkten Munitionsaltlasten im Zuge des forcierten Aufbaus von Offshore-Windkraftparks in Nord- und Ostsee. Experten schätzen, dass während und nach dem 2. Weltkrieg rund 1,6 Millionen Tonnen Munitionsaltlasten in deutschen Gewässern versenkt wurden. Heute, siebzig Jahre später, ist die vor sich hin rottende Munition ein gewaltiges Umweltproblem.

Meeressäuger durch Sprengungen besonders gefährdet
Neben der Gefahr einer großflächigen toxischen Belastung mit Munitionsinhaltsstoffen ergibt sich für alle Meerestiere, insbesondere für Meeressäugetiere wie z.B. Schweinswale, eine besondere Gefahr, denn üblicherweise wird marine Großmunition gesprengt. Noch in einer Entfernung von mehreren Kilometern kann dies für einen Schweinswal tödlich sein: Lungenrisse, Blutungen in Ohr oder Gehirn oder Hörschäden werden durch die Schockwelle einer Unterwasserexplosion hervorgerufen.

Sprengung einer Seemine vor Heidkate in der Ostsee. Foto: S.KoschinskiDeutlich mehr Vernichtungssprengungen durch Ausbau der Offshore-Windkraft So beobachten Umweltschützer mit Sorge eine Zunahme von Vernichtungssprengungen beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen. Wurden 2012 in der Nordsee noch 10 "Vernichtungssprengungen" registriert, waren es 2014 in den Windpark-Baufeldern oder auf den Kabeltrassen bereits 25.

In diesem Jahr hat es allein in den ersten fünf Monaten schon über vierzig Sprengungen gegeben. Weitere sollen in Kürze folgen. Da die Explosionen fernab der Küste stattfinden, erfährt die Öffentlichkeit davon in der Regel nichts.

Schallschutz ohne Kontrolle ist wirkungslos
Die Genehmigungsbehörde BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg) empfiehlt für Sprengungen in Windpark-Baufeldern zwar zur Verringerung der Schockwelle die Verwendung eines Blasenschleiers, aber eine Kontrolle ihres Einsatzes wie bei den ebenfalls lauten Rammarbeiten für Offshore-Windkraftanlagen gibt es nicht.

Auch existieren keine Handlungsanweisungen, wie ein Blasenschleier konstruiert sein muss. Somit ist zu befürchten, dass auch nutzlose Blasenschleier eingesetzt werden, nur um die Vorgaben des BSH zu erfüllen.
Ulrich Karlowski, Juni 2015