Energiegewinnung und Klimawandel

Energiewende auf Deutsch: Ölbohrungen im Nationalpark

Bohrplattform Mittelpate im Nationalpark Wattenmeer. Foto: U.Karlowski

Grüne Umweltminister auf dem Prüfstand

Ausgerechnet im UNESCO Weltnaturerbe und Nationalpark Wattenmeer will die vom russischen Milliardär Michail Fridman kontrollierte Deutsche Erdöl AG (DEA) an insgesamt vier Stellen Erdöllagerstätten erkunden. Nach Ansicht der Deutschen Stiftung Meeresschutz bergen die Pläne ein unkalkulierbares Risiko für eine massive Schädigung des einzigartigen Wattenmeeres.

Grüne Umweltminister müssen Farbe bekennen
Über die Bohrungen entscheiden müssen ausgerechnet zwei grüne Umweltminister: Robert Habeck aus Schleswig-Holstein und sein Kollege Stefan Wenzel aus Niedersachsen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur plant die DEA drei Probebohrungen nahe der Bohr- und Förderinsel Mittelplate vor der Küste Schleswig-Holsteins und eine weitere westlich von Cuxhaven im niedersächsischen Wattenmeer. Man hofft, dort etwa 20 Millionen Tonnen Erdöl fördern zu können.

Minister Habeck verkündete, dass er den Plänen kritisch gegenüber stehe. Man wolle die Anträge jetzt "nach Recht und Gesetz prüfen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur - von einem Grünen Minister eine eher halbherziges Statement.

Wieder einmal eiern Grüne Amtsträger herum, wenn es um die Ausbeutung fossiler Energieträger in Naturschutzgebieten geht, statt klare Kante zu zeigen. Gerade Habeck hatte sich erst vor kurzem positiv gegenüber Plänen der DEA positioniert, im so genannten Schwedeneck, einem Naturschutzgebiet im Kreis Rendsburg-Eckernförde, nach Erdöl suchen zu wollen. Habeck befand die Pläne der DEA als umweltverträglich!

Grüne wandeln beim Thema Energiewende kontra Naturschutz auf seltsamen Pfaden
Sandstrand und Wattenmeer bei St Peter Ording.Eigentlich sollte es gar keine Diskussion darüber geben, ob ausgerechnet im weltweit einzigartigen Nationalpark Wattenmeer, dem Ort, wo sich Himmel und Erde die Bühne teilen, nach Öl gebohrt werden darf oder nicht.

Nun sind es vielleicht ausgerechnet Grüne Umweltminister, die den Nationalpark Wattenmeer auf dem schmutzigen Alter des Geschäfts mit dem schwarzen Gold opfern werden.
Ulrich Karlowski, April 2016

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