Fischerei und Jagd auf Meerestiere

Vorgeschmack auf TTIP und CETA: WTO wollte US-Delfinschutz schwächen

Deline gefangen in einem Ringwadennetz. Foto: Sam La Budde

Umweltstandards sind Handelshemmnisse!

Nach einem jahrelangen, erbittert geführten Rechtsstreit musste der Delfin- und Verbraucherschutz in den USA vor der Welthandelsorganisation (WTO) Ende 2015 eine Niederlage hinnehmen: Delfintödlicher Thunfisch aus Mexiko sollte in den USA als "delfinsicher" verkauft werden dürfen! Bisher war diese Bezeichnung dort per Gesetz streng geschützt.

Anders als in Deutschland durfte in den USA Thunfisch bisher nur dann als "delfinsicher" bezeichnet werden, wenn er weder mit Treibnetzen noch durch Setzen von Netzen um Delfinschulen gefangen wurde. Ende letzten Jahres verlangte die WTO von den USA ihre strengen Vorgaben zu lockern. Mexiko hatte geklagt, weil es den Thunfisch, bei dessen Fang Delfine verletzt oder getötet wurden, dort ebenfalls unter der Bezeichnung "delfinsicher" vermarkten wollte. Die US-Regierung beugte sich dem jedoch nicht und strengte ein WTO-Schiedsverfahren an. Mit Erfolg! Mit neu definierten, aber nach wie vor strengen Richtlinien zu "delfinsicher" konnte eine "Diskriminierung" Mexikos nun beseitigt werden, während Delfine beim Thunfischfang weiterhin streng geschützt bleiben!

Bei der WTO spielen Verbraucher-, Umwelt-, und Naturschutz keine Rolle
Laut Earth Island Institute (EII), federführend für das weltweite, Internationale Kontrollprogramm für delfinsicheren Thunfisch/SAFE, beruht die WTO-Entscheidung nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Delfinsterblichkeit beim Thunfischfang der mexikanischen Fangflotten, sondern dient einzig und allein der Durchsetzung des freien Handels.

Deutlich zeigt sich, dass Umwelt-, Tier- und Naturschutz bei internationalen Handelsabkommen zweitrangig sind und man mit Recht um erreichte Erfolge fürchten muss. Uns steht die Schleifung zahlreicher Umwelt-, Verbraucher- und Tierschutzstandards ins Haus, sollten die Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den Vereinigten Staaten (TTIP) und mit Kanada (CETA) in Kraft treten.

Hauptsache, Pesos und Dollars können wieder rollen
Logo SAFE für delfin-sicher gefangenen Thunfisch.Das Siegel für delfin-sicher gefangenen Thunfisch SAFE ist laut WTO ein Handelshemmnis! Es diskriminiere mexikanische Thunfischexporteure. Die WTO wollte ein demokratisch legitimiertes Delfinschutzgesetz der USA zu Gunsten der Handelsinteressen Mexikos pulverisieren.

Überlassen wir das Regieren doch gleich den Konzernen!
Thilo Bodo, einst Geschäftsführer bei Greenpeace, der 2002 foodwatch gründete, bringt es auf den Punkt: "Es darf nicht so weit kommen, dass wir Fortschritte im Umwelt-, Verbraucher- oder Arbeitnehmerschutz von der Zustimmung eines Handelspartners abhängig machen, so wie das unter einem TTIP- oder CETA-Regime der Fall wäre! Sonst können wir unsere Abgeordneten gleich in Rente schicken, die Parlamente schließen und die Regierungsgeschäfte den Konzernen überlassen, die im Hintergrund im eigenen Interesse an TTIP und CETA mitschreiben. Dagegen müssen wir uns wehren."

Wir dürfen es nicht so weit kommen lassen!
Beteiligen Sie sich an Online-Petitionen, Demonstrationen und Aktionen gegen TTIP und CETA. Unsere Standards im Umwelt-, Tier-, Verbraucher- oder Arbeitnehmerschutz dürfen nicht dubiosen und demokratisch nicht legitimierten Schiedsgerichten zum Fraß vorgeworfen und für den Profit multinationaler Großkonzerne geopfert werden.

 

Zum Hintergrund:

Skipjack Thunfisch im Ringwadennetz.Mexikanische Thunfischfangflotten machen sich ein nur im tropischen Ostpazifik vorkommendes Phänomen zunutze, bei dem Gelbflossenthunfischschwärme regelmäßig mit Delfinschulen vergesellschaftet sind. Die Fischer orten die an der Wasseroberfläche schwimmenden Delfine, um den etwa 100 bis 150 m darunter schwimmenden Thunfischschwarm einzufangen.

Die Meeressäuger werden mit mitgeführten schnellen Beibooten bis zur völligen Erschöpfung gehetzt und in Ringwadennetze getrieben. Dann wird die Ringwade unterhalb des Thunfischschwarms wie ein Beutel zugezogen. Delfine und Thune befinden sich jetzt im Netz. Bevor der Thunfisch an Bord geholt wird, werden die Meeressäuger durch Herablassen des oberen Netzteils freigelassen. Allerdings kann nicht jeder Delfin lebend entkommen.

Hohe Sterblichkeit bei Delfinbabys
Durch diese Fangtechnik sterben jedes Jahr mehrere Hunderte, manchmal auch Tausende Delfine. Delfinschulen werden mitunter mehrmals täglich gejagt und eingefangen, Mütter werden von ihren Kälbern getrennt, viele Tiere sterben nach der Fangprozedur, auch wenn sie freigekommen sind, an Verletzungen oder aufgrund von stressbedingten Krankheiten.

Mehr als 7 Millionen toter Delfine in 40 Jahren
Mit dieser weltweit einzigartigen Fangmethode wurden seit den späten 1950er-Jahren bis Anfang der 1990er-Jahre in der Thunfischerei mehr als 7 Millionen Delfine getötet. Ein Vergleich verdeutlicht das ungeheuerliche Ausmaß: Etwa 2 Millionen Wale wurden im kommerziellen Walfang im 20. Jahrhundert getötet.

Das Earth Island Institute war maßgeblich an der Entwicklung der internationalen Standards für "delfinsicheren" Thunfisch beteiligt und etablierte bereits Ende 1990 das International Monitoring Program (IMP/SAFE), das 1991 von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. in Deutschland eingeführt wurde, mit bindenden Richtlinien für die Thunfischindustrie.

Dank dieser Maßnahmen konnte das weltweit größte Massensterben von Delfinen um über 90 % reduziert werden!
Ulrike Kirsch & Ulrich Karlowski
Fotos:
Delfine im Ringwadennnetz: Sam La Budde
Skipjack-Thunfisch, Ringwadennetz: Alex_Hofford, Greenpeace/Marine Photobank

Weitere Informationen

25 Jahre SAFE – Großer Erfolg für den Delfinschutz

EII: International Marine Mammal Project - Dolphin Safe Fishing

Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V.: SAFE - Internationales Kontrollprogramm für delfinsicheren Thunfisch