Meeresschutzgebiete - No-Take-Zonen

Fischerei bleibt in deutschen Meeresschutzgebieten erlaubt

Im Stellnetz ertrunkener Schweinswal. Foto: Krzysztof E. Skora

Grandioser Offenbarungseid einer verfehlten deutschen Meeresschutzpolitik

Die kürzlich von Umwelt- und Landwirtschaftsministerium vorgelegten geplanten Fischereimaßnahmen für die deutschen Natura-2000-Schutzgebiete enttäuschen auf ganzer Linie. Einmal mehr wird die Macht der Fischereilobby über den Naturschutz überdeutlich.

So versteht die Bundesregierung unter "Schutzmaßnahmen" für sensible Meeresschutzgebiete mit seltenen Steinriffen und Sandbänken unter anderem nicht nur, dass weiter in ihnen gefischt werden darf. Auch die den Meeresboden stark schädigenden Grundschleppnetze oder Stellnetze sollen in Gebieten wie z.B. dem östlichen Sylter Außenriff oder bei der Amrumbank - Kinderstuben der Schweinswale - eingesetzt werden dürfen.

Gänzlich außen vor gelassen wurden die Schutzgebiete in der Ostsee. Hier sieht die Regierung offenbar keinen Bedarf für Schutzmaßnahmen.

"Danke für Nichts" Deutschland
Grundschleppnetzfischer im Hafen von Büsum.Der deutsche Maßnahmenkatalog wird jetzt an die EU-Kommission und die EU-Mitgliedsländer verschickt, die in der deutschen Nordsee fischen. Dazu gehören Dänemark, die Niederlande, Großbritannien, Belgien und Frankreich. Sie müssten den Vorschlägen zustimmen, bevor diese umgesetzt werden können.

"Danke für Nichts", dürfte wohl das ernüchternde Fazit für die Meeresumwelt und den Erhalt bedrohter Arten, wie des Schweinswals lauten.

Fischereilobby hat Politiker fest im Griff
Wenn schon der Umwelt- und Landwirtschaftsminister von den Grünen, Dr. Robert Habeck aus Schleswig-Holstein, regelmäßig vor der Lobbymacht der Fischereiwirtschaft einknickt, dann kann man von Politikern wie Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wohl auch nicht mehr Standfestigkeit erwarten, wenn es um wirksamen Meeresschutz in Deutschland geht. Und genau das ist auch leider der Fall.

Keine menschlichen Eingriffe mehr in deutschen Meeresschutzgebieten
Angesichts der im internationalen Vergleich viel zu wenigen und in sich viel zu kleinen Meeresschutzgebiete fordert die Deutsche Stiftung Meeresschutz, dass in allen existierenden Schutzgebieten für das Ökosystem negative menschliche Eingriffe verboten werden müssen. Nur so gäbe es z.B. eine Chance für das Überleben unserer einzigen heimischen Walart, des Schweinswals, in deutschen Gewässern.

Grundschleppnetz liegt auf Kaimauer.Es ist mehr als überfällig, dass alle deutschen Meeresschutzgebiete endlich zu "No-Take-Zonen" erklärt werden!
DSM, 16.03.2016

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