Meilenstein: Ballastwasser-Übereinkommen in Kraft

Ein Meilenstein für den marinen Umweltschutz

2004 unterzeichneten die Mitgliedsstaaten der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) eine Konvention zum Ballastwassermanagement. Mit gut einem Jahr Verspätung ist das Internationale Übereinkommen zur Kontrolle und Behandlung von Ballastwasser und Sedimenten von Schiffen, das sogenannte Ballastwasser-Übereinkommen, nun am dem 8. September 2017 in Kraft getreten. Künftig sind Seeschiffe verpflichtet, an Bord Anlagen zur Behandlung von Ballastwasser zu installieren, die die weltweite Verschleppung invasiver Tier- und Pflanzenarten verhindern. Für Monika Breuch-Moritz, Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), ist das Inkrafttreten „ein Meilenstein für den marinen Umweltschutz“.

Verbreitungsweg für pathogene Keime und Bioinvasoren

Drei Antarktische Kieselalgen mit mehreren langen auf dem langem, rechteckigem Körper verteilten Fäden.

Antarktische Kieselalge aus Ballastwasser. Foto: Richard Crawford, Alfred-Wegener-Institut.

Ballastwasser wird in Seeschiffen mitgeführt, um ihnen die notwendige Stabilität zu verleihen. Bei einem großen Containerschiff können das 100 000 Tonnen Wasser und mehr sein. Bei der Aufnahme kommen regelmäßig Organismen, zum Beispiel kleine Fische, Benthos- und Planktonorganismen oder auch pathogene Keime wie z.B. Erreger der Cholera (Vibrio cholerae) mit an Bord. Diese werden wieder freigesetzt, wenn das Ballastwasser an anderer Stelle abgelassen wird, um stattdessen Ladung aufzunehmen. Durch den zunehmenden und immer schneller werdenden Schiffsverkehr wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die Organismen die Passage im Ballastwasser überleben. Einige von ihnen können invasive Arten sein, die die Ökosysteme in ihrer neuen Umgebung empfindlich beeinflussen können.

Einschleppung von schädlichen Wasserorganismen und Krankheitserregern soll auf ein Mindestmaß verringert werden

Das Ballastwasserübereinkommen legt die Kontrolle und Behandlung von Ballastwasser von Schiffen fest, um die Einschleppung von schädlichen Wasserorganismen und Krankheitserregern auf ein Mindestmaß zu verringern beziehungsweise auszuschließen. Das Ballastwasser an Bord von Schiffen muss vor der Abgabe in die Meeresumwelt so behandelt werden, dass ein in dem Übereinkommen vorgeschriebener Standard (Norm D-2) erreicht wird. Für eine Übergangszeit erlaubt das Übereinkommen unter bestimmten Voraussetzungen den Austausch von Ballastwasser (sog. Norm D-1), langfristig wird aber der strengere D-2-Standard gelten, der Qualitätsanforderungen an das abzugebende Ballastwasser stellt. Damit soll die Verbreitung toxigener Keime wie Vibrio choleræ, des Darmbakteriums Escherichia coli und von Darm-Enterokokken weitgehend verhindert werden.

Schiffsneubauten müssen den strengeren Standard sofort erfüllen. In Deutschland ist das Ballastwasser-Übereinkommen bereits mit dem Ballastwasser-Gesetz und der See-Umweltverhaltensverordnung umgesetzt worden. Ausnahmen gelten allerdings für Kriegsschiffe, Flottenhilfsschiffe oder sonstige Staatsschiffe.
Nach Informationen des Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)
Grafik oben mit freundlicher Genehmigung des BSH

Weitere Informationen

Blinde Passagiere auf deutsche-flagge.de
Ballastwasser-Übereinkommen auf bsh.de